Lotsennetzwerk Seniorenernährung Brandenburg
Eine ausgewogene Ernährung spielt auch im höheren Alter eine wichtige Rolle und kann dazu beitragen gesund, aktiv und leistungsfähig zu bleiben. Doch Essen und Trinken bedeuten weit mehr als reine Nahrungsaufnahme.
Gerade für ältere Menschen haben Mahlzeiten eine wichtige soziale und kulturelle Funktion: Sie geben Struktur im Alltag, schaffen Orientierung und fördern Gespräche, Gemeinschaft und Lebensfreude.
Was ist das Lotsennetzwerk Brandenburg?
Insbesondere bei finanziellen oder sozialen Einschränkungen, ist eine gesunde Ernährung nicht selbstverständlich. Hier setzt das IN FORM-Projekt Lotsennetzwerk Seniorenernährung Brandenburg an, dessen Ziel es ist, die Ernährungssituation von zuhause lebenden, armutsgefährdeten älteren Menschen zu verbessern.
Dafür werden Fachreferent*innen im Sinne eines „Train-the-Trainer“-Ansatzes qualifiziert, um praxisnahe und zielgruppenspezifische Ernährungsangebote in den Kommunen umzusetzen.
Das Projekt Lotsennetzwerk Seniorenernährung Brandenburg setzt bei dem Ziel an, der Ernährungsarmut von zuhause lebenden Senior*innen flächendeckend entgegenzuwirken.
Im Rahmen des Projektes werden vier Modellregionen ausgewählt, in denen ein Netzwerk aus Lots*innen aufgebaut wird. Die Lots*innen werden in der Projektlaufzeit dabei unterstützt, ihre Ernährungskompetenzen zu erweitern, um in Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen und Fachreferent*innen praxisnahe Angebote umzusetzen.
Das Vorhaben trägt langfristig dazu bei, gesunde Ernährung und Ernährungsbildung als Bestandteil einer gesundheitsfördernden Lebenswelt älterer Menschen in Brandenburg zu verankern.
Durch die Qualifizierung und Vernetzung der Lots*innen sowie die Begleitung kommunaler Akteursgruppen entsteht ein tragfähiges Netzwerk, das den Zugang zu Ernährungsangeboten insbesondere für armutsgefährdete bzw. -bedrohte Senior*innen verbessert
Fragen zur Ernährungsarmut im Alter
Was ist Ernährungsarmut im Alter?
Ernährungsarmut bedeutet, dass Menschen nicht regelmäßig Zugang zu einer ausgewogenen und gesundheitsfördernden Ernährung haben.
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (WBAE) unterscheidet zwei Formen der Ernährungsarmut:
Die materielle Ernährungsarmut betrifft Menschen, die sich aufgrund geringer finanzieller Mittel keine gesundheitsförderliche Ernährung leisten können.
Neben finanziellen Einschränkungen kann Ernährungsarmut auch soziale Folgen haben. Soziale Ernährungsarmut beschreibt den Ausschluss von gemeinschaftlichen Mahlzeiten und sozialen Aktivitäten rund um das Essen. Betroffene nehmen dadurch weniger am gesellschaftlichen Leben teil.
Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind in Deutschland etwa drei Millionen Menschen von materieller Ernährungsarmut betroffen.
Was sind mögliche Ursachen für Ernährungsarmut im Alter?
Ein zentraler Faktor ist die Altersarmut, da viele Senior*innen geringe Renten beziehen. Hinzu kommen steigende Lebenshaltungskosten und Lebensmittelpreise.
Neben den materiellen Aspekten spielt die körperliche Einschränkung im Alter eine Rolle: Nachlassender Appetit, Krankheiten oder eingeschränkte Mobilität erschweren eine ausgewogene Ernährung.
Zudem leben viele Seniorinnen allein, was soziale Isolation verstärken und die Motivation zum Kochen verringern kann.
Wie können wir der Ernährungsarmut im Alter entgegenwirken?
Um Ernährungsarmut zu bekämpfen, braucht es eine Kombination aus sozialer Unterstützung, besserem Zugang zu Lebensmitteln und der Stärkung von Ernährungskompetenzen.
Insbesondere Aktionen, die in alltäglichen Situationen ansetzen, können helfen, die Ernährungssituation für Senior*innen zu verbessern. Häufig zeigen sich Kochgruppen, Ernährungskurse oder die Verfügbarkeit von Lieferdiensten mit einer gesunden Kost als bewährte Methoden.
Aktuelles aus dem Projekt
Das INFORM-Projekt ist am 01.03.2026 gestartet und befindet sich aktuell in der Phase der Akquise von Modellregionen sowie der Gewinnung und Qualifizierung von Lots*innen.
Sie möchten Ihr Wissen im Bereich Seniorenernährung vertiefen und Angebote in Ihrer Kommune aktiv mitgestalten? Oder engagieren Sie sich bereits für ältere Menschen und suchen nach fachlicher Unterstützung, Austausch und neuen Impulsen? Dann machen Sie jetzt mit und werden Ernährungslotse!
Weitere Infos
Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichnen Verbraucherschutz (WBAE):
Gutachten „Politik für eine nachhaltigere Ernährung“ (PDF, 20 MB, nicht barrierefrei)
Max Rubner-Institut:
Studie zur Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren in Armut (ELSinA)
Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt (MASGZ):
Fortschreibung der Seniorenpolitischen Leitlinien
Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO)
Küchenpartie im Land Brandenburg
IN FORM Verbundprojekt der Verbraucherzentralen und der Europa-Universität Flensburg:
„Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget“
Jetzt für Senior*innen stark machen – als Ernährungslotse in Ihrer Region
Jetzt für Senior*innen stark machen – als Ernährungslotse in Ihrer Region!
Werden Sie Teil des INFORM-Lotsennetzwerks und unterstützen Sie ältere Menschen dabei, ihre Ernährungskompetenz und Lebensqualität nachhaltig zu stärken.
Ihre Vorteile auf einen Blick:
- Zugang zu gebündelten Informationsmaterialien und aktuellem Fachwissen
- Unterstützung bei der Entwicklung und Durchführung kommunaler Projekte
- Einblicke in die Umsetzung praxisnaher Angebote für Senior*innen
- Austausch mit Expert*innen und engagierten Akteur*innen anderer Regionen
- Teil eines landesweiten Netzwerks im Bereich Seniorenernährung werden
Podcasts
Podcast von Groschendreher – Kieler Bündnis gegen Altersarmut e. V.
Folge 8: Gesunde Ernährung und Armut
Podcast „Zu Tisch, bitte!“ der DGE-Sektion Niedersachsen
Folge: Gemeinsam gegen Ernährungsarmut – Fakten, Herausforderungen und Lösungsansätze
Bildnachweise
De Visu – stock.adobe.com
Hintergrund zum Projekt:
Über IN FORM: Für den im Jahr 2008 vom Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Aktionsplan IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung – sind zwei Bundesressorts federführend zuständig: das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bereich Ernährung und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Bereich Bewegung. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: www.in-form.de
„Lotsennetzwerk Seniorenernährung Brandenburg“
Das Projekt wird gefördert durch
