SuppOrt – Ernährung genießen, Generationen verbinden, Regionen unterstützen

Auftaktveranstaltung zu den Seniorenprojekten der Vernetzungsstelle Brandenburg

Am 9. September 2026 fand die Auftaktveranstaltung zu den neuen Seniorenprojekten der Vernetzungsstelle Brandenburg statt. Unter dem gemeinsamen Titel „SuppOrt – Ernährung genießen, Generationen verbinden, Regionen unterstützen“ wurden die Projekte „GKV Prävention von Ernährungsarmut bei Senioren und Heranwachsenden im ländlichen Raum Brandenburgs“ und „INFORM Lotsennetzwerk Seniorenernährung Brandenburg“ vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen 50 Vertreter*innen aus 16 Landkreisen Brandenburgs teil und brachten ihre Perspektiven und Erfahrungen ein.

Altersarmut und Ernährung – ein wichtiger Zusammenhang

Den Auftakt bildete der Impuls zum Thema Altersarmut und Gesundheit von Dr. Jens Forkel von der Akademie 2. Lebenshälfte. In seinem Überblick über die aktuelle Datenlage zur Armutsgefährdung und Altersarmut, insbesondere in Brandenburg, beleuchtete er auch das Thema Ernährungsarmut näher. Es wurde deutlich, wie sehr die Realität die Definition von Ernährungsarmut spiegelt: es geht weit über die Frage hinaus, ob Lebensmittel fehlen. Auch die Qualität der Ernährung, die konkrete Essenssituation und die Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen, spielen eine wichtige Rolle.

Anhand von Pierre Bourdieus Konzept des ökonomischen, sozialen und kulturellen Kapitals zeigte Dr. Forkel auf, dass Ernährung nicht losgelöst von den persönlichen, sozialen und strukturellen Lebensbedingungen betrachtet werden kann.

Grafik: Dr. Jens Forkel

Gemeinsam Wissen weitergeben und Netzwerke stärken

Genau hier setzen die neuen Projekte an: die Vernetzungsstelle Brandenburg setzt sich in diesen aktiv für mehr Chancengleichheit, eine gesundheitsförderliche Ernährung und soziale Teilhabe ein.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere ältere Menschen sowie Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum. Schulungen, Netzwerkarbeit und praxisnahe Angebote sollen lokale Strukturen stärken, konkrete Handlungsmöglichkeiten vor Ort schaffen und die soziale Teilhabe fördern. Ein zentrales Ziel der Projekte ist der Aufbau eines landesweiten Netzwerks zur Förderung von Austausch, Wissen und praktischen Erfahrungen rund um das Thema Ernährung.

Dafür werden SuppOrter*innen „ausgebildet“ und dazu befähigt, Ernährungsthemen vor Ort aufzugreifen, eigene Aktionen umzusetzen und damit gemeinsam mit weiteren Akteuer*innen nachhaltige Veränderungen in ihren Kommunen anzustoßen. So sollen langfristig Perspektiven für eine gesundheitsförderliche Ernährung und mehr Lebensqualität geschaffen werden.

Derzeit werden noch Interessierte als SuppOrter*innen gesucht. Zur Vorbereitung nehmen die SuppOrter*innen an drei Schulungen teil. Bei der Auftaktveranstaltung wurden bereits verschiedene Themenbereiche vorgestellt:

  • Kostengünstig und genießbar: Ansprüche an die Ernährung im Alter und Möglichkeiten zur Kostenreduktion
  • Mit Plan durch den Supermarkt: Tipps für einen bewussten und kostengünstigen Einkauf
  • Die Welt kommt nach …: Kultursensible Ernährung und unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten
  • Gemeinsam genießen: Miteinander kochen, voneinander lernen – generationsübergreifende Kochaktionen gestalten
  • Vom Topf auf den Teller: Vorteile einer saisonalen und regionalen Produktauswahl
  • Trink dich fit: Veränderungen des Flüssigkeitsbedarfs im Alter und die passende Getränkeauswahl

Gute Beispiele aus der Praxis

Wie Ernährungsthemen konkret vor Ort umgesetzt werden können, zeigten zwei Beiträge bereits bestehender Netzwerkpartner.

Ramona Stephan, Seniorenbeauftragte des Amtes Brück, stellte die Kochplattentour vor. Bei diesem Angebot kommen Jugendliche und Senior*innen zusammen, um gemeinsam zu kochen und voneinander zu lernen. Das Beispiel machte deutlich, wie Ernährungsbildung gleichzeitig Begegnung und generationenübergreifenden Austausch fördern kann.

Anita Tobies und Ramona Holzer vom Verein Restlos Glücklich e. V. berichteten aus ihrer praktischen Arbeit im Projekt „Berliner Ernährungscoaches – im Kiez, für euch, mit euch“. Ihre Erfahrungen und Praxisbeispiele zeigten, wie niedrigschwellige Angebote gestaltet werden können, die Menschen vor Ort erreichen und sie dabei unterstützen, ihre Ernährungskompetenz zu stärken.

Die Beispiele machten anschaulich, wie unterschiedlich Ernährungsthemen in der Praxis aufgegriffen werden können – von gemeinsamen Kochaktionen bis hin zu persönlicher Begleitung und alltagsnaher Ernährungsbildung.

Viele Ideen für die kommenden Schulungen

Der anschließende Austausch im Plenum zeigte, wie vielfältig die Bedarfe in den verschiedenen Regionen Brandenburgs sind und spiegelte das große Interesse an einem weiteren fachlichen Austausch. Vertreter*innen aus 16 Landkreisen brachten ihre Perspektiven ein. Sie entwickelten Ideen für weitere mögliche Schulungsinhalte und setzten wichtige Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit.

„Der Austausch hat gezeigt: Gute Seniorenernährung hat viele Facetten und braucht unterschiedliche Perspektiven“, sagt Marie Schumacher, Mitarbeiterin im Projekt „SuppOrt“. „Genau hier sehe ich die Stärke der Vernetzung: Erfahrungen und Wissen aus Wissenschaft, Kommune, Pflege, Seniorenarbeit und Ernährungsbildung können miteinander verknüpft und für die praktische Arbeit vor Ort nutzbar gemacht werden.“

Gemeinsam für eine gute Ernährung im Alter

Die Auftaktveranstaltung hat gezeigt, wie groß das Interesse an den Themen Seniorenernährung, generationsübergreifender Ernährungsbildung, Ernährungsarmut und sozialer Teilhabe in Brandenburg ist. Vertreter*innen aus unterschiedlichen Bereichen – darunter Seniorenarbeit, Kommunen, Pflege vor Ort, Wissenschaft, Gesundheitsförderung, Hauswirtschaft, Sozialpädagogik und praktische Ernährungsbildung – kamen zusammen, um sich zu informieren, auszutauschen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Mit dem Start der beiden Projekte ist ein wichtiger Grundstein für die weitere Netzwerkarbeit gelegt. Nun geht es darum, die entstandenen Kontakte zu vertiefen, Wissen weiterzugeben und gemeinsam praktische Angebote für eine gesundheitsförderliche und sozial gerechte Ernährung zu entwickeln.

Denn gute Ernährung verbindet – über Generationen und Regionen hinweg.

Ernährungsarmut: Definition

Auftaktveranstaltung der Seniorenprojekte der Vernetzungsstelle Brandenburg | Laura Behrens und Marie Schumacher, Vernetzungsstelle Brandenburg

Das Projekt „SuppOrt“ | Laura Behrens und Marie Schumacher, Vernetzungsstelle Brandenburg

Impuls Armut und Gesundheit im Alter | Dr. Jens Forkel, Akademie 2. Lebenshälfte

Einblicke in die Praxis:

Kochplattentour im Amt Brück | Ramona Stephan, Seniorenbeauftragte des Amt Brücks

Erfahrungen aus dem Projekt „Berliner Ernährungscoaches – im Kiez, für euch, mit euch“ | Ramona Holzer, Restlos Glücklich e.V.

Ideen für die kommenden Schulungen

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